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Wußten Sie dass Wolfach neben der Freiwilligen Feuerwehr auch eine "Historische Feuerwehr" hat und das bereits seit über zehn Jahren? Vor einem Jahrzehnt kämpften die Männer darum, ein früher im Wolfacher Einsatz genutztes Fahrzeug wieder zu beschaffen und es wieder zum Leben zu erwecken.

 

Feuerwehroldtimer aus dem Jahr 1926

Foto 82Die altehrwürdige Kraftfahrspritze der Wolfacher Feuerwehr feierte 2006 ihren 80. Geburtstag, das war der Grund für das Feuerwehr-Oldtimertreffen. 1926 kaufte die Wolfacher Feuerwehr eine 2,5 Tonnen Kraftwagenspritze bei den Gaggenauer Benzwerken. Damals mussten sie 28.000 Reichsmark hinblättern. Im Krieg musste die „Alte“ sogar nach Straßburg fahren, weil dort alle anderen Feuerwehrfahrzeuge mit Luftreifen steckengeblieben waren. Mit ihren Vollgummireifen kämpfte sie sich 1944 auch durch die Trümmer. 1967 sprach der Feuerwehrausschuss klare Worte, es herrschte Platzmangel.

Ohne eine Träne zu verdrücken wurde das heute wertvolle Fahrzeug ausgemustert. Zwanzig Jahre später kam die gedankliche Wende, überall waren die roten Flitzer jetzt bei Oldtimertreffen zu sehen. Einige Feuerwehrmänner dachten wehmütig an die gute alte Zeit zurück. Im Mai 1970 verließ der Benz Wolfach. Im März 1993 brach eine Abordnung der Feuerwehr Wolfach zum ersten Wiedersehen in Richtung Westfahlen auf. Ein Jahr später fand der Rücktransport in die alte Heimat statt.

 

Vor der Schrottpresse verschont

Es begann eine fieberhafte Suche. Bei der Fliegerhorstfeuerwehr der Heereswaffenschule in Bückeburg/Westfahlen wurde die Benz-Autospritze tatsächlich gefunden. Die lange Heimreise erfolgte auf einem Tieflader, heute schnauft sie wieder aus eigener Kraft. Beim Schnauferlclub Westfahlen wurde der Oldtimer wieder gefunden und zurückgekauft. Das Glück war den Wolfachern hold, das Fahrzeug war nicht in der Schrottpresse gelandet. Nach 24 Jahren kam das Fahrzeug wieder in heimische Gefilde und wird seither gehegt und gepflegt. Das dieses Fahrzeug heute wieder in strahlendem feuerwehrrot einen prächtigen Anblick bietet, ist einer fleißigen Gruppe zu verdanken, die ihre „Alte“, so wurde das Feuerwehrauto früher genannt, wieder ins Wolftal geholt und restauriert haben.

Otto Doll war von 1951 bis zum Verkauf der Fahrer. „Das Fahrzeug zu beherrschen, war für mich kein Problem, es war reine Gewohnheitssache.“, erinnert er sich mit Freuden zurück. Das Fahren mit der rechtsgesteuerten Maschine war für mich nicht schwer, erklärt der heute 79-Jährige. "Meine jungen Feuerwehrkollegen haben es in hervorragender Weise wieder aufgebaut.", sagt er glücklich.

 

Die Renovierung der alten Spritze

Foto 132Heute ist der alte Motorspritzenwagen ein Star. Auf dem knallroten Lack leuchtet sogar wieder das Wolfacher Wappen. Bis 1967 war es einsatzbereit, kam dann aber nicht mehr durch den TÜV, so wurde der Verkauf besiegelt. Heute gibt es in Baden-Württemberg nur noch fünf dieser Benz-Autospritzen.

Beim Anblick des schmucken Feuerwehroldtimers schlagen nicht nur Männerherzen höher. Wenn die Glocke erklingt, kommen die Kinder herbei gerannt und reflexartig werden die Kameras aus den Taschen gezogen.

Viele Bilder zeugen von der gründlichen Restaurierung, bei der die Floriansjünger nicht nur Zeit investierten. Neben viel Geduld war auch viel Können gefragt. Es musste viel bedacht und organisiert werden. Sie setzten alle Hebel in Bewegung, bis alles fertig war.
Kurt Sum leitete die Renovierung. Es gab leider keine alten Pläne und Zeichnungen mehr, so wurden viele Fotos und Zeichnungen von allen Details gemacht, damit das Fahrzeug problemlos wieder zusammengebaut werden konnte. Es wurde bis auf den Rahmen komplett auseinandergebaut. Die Armaturen aus Messing wurden aufpoliert, das Fahrgestell und der Aufbau sandgestrahlt und in den Originalfarben neu lackiert.

 Da der Motor wurde gereinigt, die Pumpe komplett zerlegt und überholt. Das größte Problem machten den fleißigen Schraubern die Reifen. Die alten Vollgummireifen waren nicht mehr zu gebrauchen. Die Glocke wurde von einer Glockengießerei hergestellt und auch sonst gab es viele organisatorische Hürden zu nehmen. Als er zurückgekauft wurde, war alles noch dran, bis auf die Glocke.

Am 09. August 1996 startete das glänzend rote Fahrzeug wie neugeboren zu seiner Jungfernfahrt. Im Herbst des selben Jahres wurde die Pumpe getestet. Der TÜV prüfte alles auf Herz und Nieren. Im Juli 1997 ist der alte Benz endlich fertig geworden, darauf sind sie heute noch sehr stolz.

 

Über 5000 Arbeitsstunden kamen zusammen

Inzwischen waren die Männer mit dem blank polierten Mobil schon oft auf Reisen und haben viel erlebt. In ihren historischen Uniformen macht die Mannschaft eine super Figur. 1997 waren dann sogar die prächtigen Feuerwehruniformen fertig. Für die Männer war klar, wenn sie einen solch schönen Feuerwehroldie wieder zum Leben erwacht haben, brauchen sie auch stilechte Mannschaftskleidung wie sie in der Zeit um 1920 getragen wurde.

Ein Gutacher Schneider rückte ihnen mit dem Maßband zuleibe und schwang die Nadel. Die Messinghelme mit Roßhaarbusch und Schuppenbändern kamen von einem Spezialist aus der Nähe von Pforzheim. Die Männer sind in voller Montur einfach nur eine Augenweide, von Männern bestaunt, von den Frauen angehimmelt strahlen sie dann meist mit der Sonne um die Wette. Es waren kaum weniger als 5000 Arbeitsstunden, die von der Gruppe investiert wurden. Die Hobbyschrauber mühten sich regelmäßig ab, um ihren alten Veteranen wieder zum Leben zu erwecken und einsatzfähig zu machen. Ihr Traum wurde wahr, sogar die Pumpe funktioniert einwandfrei.

Nachdem alles fertig war, formierte sich gleichzeitig eine historische Feuerwehrgruppe. Im Jahr 1998 wurde der Benz im Rahmen eines Feuerwehr-Oldtimertreffens ins Rampenlicht gerückt. 2001 kurvten sie mit ihrem geliebten Veteranen sogar bis Wien. Diese 920 Kilometer lange Ausfahrt forderte vom Gefährt und den Mitfahrern alles ab. „Wir wurden damals pitschnass.“, erinnert sich Kurt Sum. Das ist für die Männer aber kein Problem.

Inzwischen steht der nächste Patient in der Feuerwehrgarage, der Magirus ist aber zum Glück schon fast fertig. Es fehlt nur noch an ein paar Kleinigkeiten.

 
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